Künstlerhaus
Halle für
Kunst & Medien

Burgring 2
8010 Graz, Austria
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26 01 2017  11:00

Jahrespressekonferenz

Ausblick und Programmvorschau 2017 / Bilanz 2016
Künstlerhaus, Halle für Kunst & Medien
Innenansicht, 2013, Foto: Peter Eder

Graz, 26. Jänner 2017 – Das Künstlerhaus, die Halle für Kunst & Medien (KM– Graz) kann auf ein weiteres erfolgreiches Jahr zurückblicken. Kulturlandesrat Dr. Christian Buchmann und Direktor Sandro Droschl präsentierten heute die Details. Mit 14.030 Besucherinnen und Besuchern wurde 2016 ein neuer Höchststand erreicht. Für 2017 ist wieder ein vielfältiges Programm mit Höhepunkten zum Schwerpunkt Südosteuropa und einer vertieften lokalen wie internationalen Netzwerkbildung geplant.

„Sandro Droschl hat mit seinem Team im vergangenen Jahr die Position des Künstlerhauses als Hotspot für zeitgenössische Kunst im In- und Ausland weiter gefestigt. Ich gratuliere zu einem erfolgreichen Ausstellungsjahr“, so Landesrat Buchmann.

2016 wurden drei Gruppenausstellungen, neun Einzelausstellungen sowie 40 Rahmenveranstaltungen realisiert und neun Publikationen herausgegeben. In den Ausstellungen waren Arbeiten von insgesamt 25 internationalen, sechs österreichischen und 175 steirischen Künstlerinnen und Künstlern (davon fünf Einzelausstellungen) zu sehen. Bei einer internationalen Kleinstverlagsmesse waren zudem 33 lokale und internationale Gäste im Künstlerhaus vertreten. In sechs von neun Einzelausstellungen wurden 2016 weibliche Positionen präsentiert.

Im vergangenen Jahr wurde auch eine wichtige Weichenstellung für die Zukunft des Künstlerhaus vorgenommen. Nach einer internationalen Ausschreibung wurde dem Kunstverein Medienturm der Zuschlag für den künstlerischen sowie organisatorisch-technischen Betrieb des Künstlerhauses ab 1. Jänner 2018 für weitere drei Jahre erteilt. Bei positiver Evaluierung durch das Kulturkuratorium kann der Vertrag um zwei Jahre verlängert werden.

„Ich erwarte mir, dass Sandro Droschl die konsequente Internationalisierung und die Förderung junger steirischer Künstlerinnen und Künstler in den kommenden Jahren weiter intensiviert“, so Buchmann.

Das in den vergangenen Jahren erlangte internationale Standing findet in einer zweifachen Nennung des Künstlerhaus in der Dezemberausgabe 2016 von Artforum, des New Yorker Flaggschiffs der internationalen Kunstkritik, seine Bestätigung: Im weltweiten Jahresrückblick „Best of 2016“ wurden die Ausstellung „Unlimited Hate“ von Darja Bajagić (Podgorica) und die Publikation „A-Z Life Coaching“ von Keren Cytter (Tel Aviv) gewürdigt.

In Nachfolge von vier sehr verdienstreichen Jahren von Christian Egger als Kurator am Haus freuen wir uns ab 1. März Jürgen Dehm (M.A.) zu begrüßen. Nach beruflichen Stationen u.a. am Kunsthistorischen Institut der Freien Universität Berlin ist Dehm aktuell als Kurator des Generali Foundation Studienzentrum am Museum der Moderne in Salzburg beschäftigt. Bereits seit 2016 verstärkt Mag. Helene Romakin als kuratorische Assistenz unser Team, davor zuletzt bei Galerie Hetzler
in Berlin tätig. 

2016 sind Kooperationen mit dem steirischen herbst, der Diagonale und dem Museum für moderne und zeitgenössische Kunst UGM Maribor realisiert worden. Für die Ausstellung von Keren Cytter konnte mit der AVL Cultural Foundation ein großzügiger Projektförderer gewonnen werden, womit die Kommissionierung einer neuen Videoproduktion und dessen Uraufführung in Graz möglich wurde. Weiters wurden neue Arbeiten von Klaus Scherübel vom Conseil des Arts et de Letter du Québec unterstützt. Begleitend zu ihrer Einzelausstellung wird der erste Katalog von Melanie Gilligan gemeinsam mit den Partnern Trondheim Kunstmuseum, Casco Utrecht, de Appel Arts Center und De Hallen Haarlem koproduziert und demnächst beim Berliner Verlag Sternberg Press herausgegeben. Eine zusätzliche substanzielle Unterstützung der monographischen Publikation für Jörg Schlick konnte 2016 durch die Atelier Foundation (Graz), Galerie Nagel Draxler (Köln/Berlin) und das BKA (Wien) erreicht werden.

In zwei aufwendigen Gruppenausstellungen wurden international stark besprochene Thematiken aus den Bereichen „Sprache und Poesie“ und „Performance" zusammengestellt und in Begleitpublikationen dokumentiert. Mit der Präsentation einer Arbeit des österreichischen experimentellen Filmemachers Gustav Deutsch wurden die Schnittstellen von Film und Bildender Kunst ausgelotet. Zwei starke internationale weibliche Positionen wurden mit Keren Cytter und Darja Bajagić nach Graz geholt. Das Interesse daran, im Besonderen in den sozialen Medien, ist ungebrochen – der Ende Jänner 2017 erscheinende Katalog wurde im Online-Backshop bereits 130 mal vorbestellt. Mit Einzelausstellungen der Künstler und Künstlerinnen Klaus Scherübel, Ulrike Königshofer, Nana Mandl, ekw 14,90, Ed Gfrerer und Claudia Märzendorfer kommt das Künstlerhaus erfolgreich seiner Aufgabe der Förderung von steirischer Kunst nach. Organisatorisch und formal erfreulich war auch ein erstmals gemeinsam mit vier Künstlervereinigungen realisiertes Format zur Jahresausstellung „Alice im Wunderland“.

Das breite Ausstellungsangebot des Künstlerhaus spiegelt als Halle für Kunst & Medien relevante gesellschaftliche Themen und bildet von Malerei, Skulptur, Video bis hin zu medienübergreifenden Arbeiten eine reiche Palette an aktuellen Spielarten der Kunst ab.

Die sozialen Medien wurden verstärkt in die Öffentlichkeitsarbeit einbezogen. Die Facebook-Community der Institution wächst mit 16% seit Mai 2016 und 50 neuen Gefällt-Mir-Angaben pro Monat kontinuierlich und liegt bei einem aktuellen Stand von 2.875 Likes, mit der flankierend betriebenen Seite Kunstverein Medienturm (5.886) und der Seite des Direktors (1.700) liegen insgesamt 10.461 Likes vor. Erfreulich ist das Wachstum einer jüngeren Fangemeinde auf Instagram: Mit einem aktuellen Stand von 1.700 Abonnenten gab es seit Mai 2016 rund 75 neue Abonnenten pro Monat, also eine 54%ige Steigerung.
Für 2017 wird der Einsatz der digitalen Medien im Besuch der Ausstellungen und Veranstaltungen vorangetrieben. So wird die Website für Smartphones adaptiert, eine Funktion zum Nachhören der Veranstaltungen realisiert und für Videoeinspielungen von Performances integriert.

Das Jahresprogramm 2017 wurde von Sandro Droschl unter Einbindung einiger projektspezifischer Gäste zusammengestellt. Bereits im März wird Michał Jachuła aus Warschau als „Kurator in Residence“ die Einzelausstellung von Monika Zawadzki zusammenstellen. Sein Aufenthalt in Graz wird vom Österreichischen Kulturforum in Polen unterstützt. Mit Áron Fenyvesi (Trafó Budapest) konnte ein fachspezifischer Insider als Co-Kurator einer umfangreichen Ausstellung über Abstraktion in der aktuellen ungarischen Kunst gewonnen werden. Zum fünfzigjährigen Jubiläum des steirischen herbst ist Architekt Eilfried Huth ein wichtiger Unterstützer in der Vorbereitung einer aktualisierten Version der legendären Ausstellung „trigon 67" über „ambiente / environment“.

Mit der in Belgrad aufgewachsenen Künstlerin Maja Vukoje eröffnet das Künstlerhaus Anfang Februar eine Ausstellung mit einer der zentralen in Österreich lebenden Malerinnen. Mit aufwendiger Technik und genuinem Stil setzt sich die Künstlerin mit Nachwirkungen des Kolonialismus, mit Gender und Populärkultur auseinander. Die Personale gibt einen Überblick auf die Produktion der letzten fünf Jahre und zeigt zudem ein Dutzend eigens für die Ausstellung entstandener Arbeiten.

Im März wird mit der ersten internationalen institutionellen Einzelausstellung von Monika Zawadski eine aufstrebende Vertreterin der gefragten polnischen Kunstszene gezeigt. Die Show „Der Keller“ läuft sinngemäß im Untergeschoß und versammelt teils monumentale, mit schwarzem Humor ausgeführten Skulpturen, sowie eingängige Wandmalereien, die auch auf der Außenfassade des Künstlerhaus zu sehen sind. Das Interesse ihrer sozial engagierten Praxis liegt im Ausgleich zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Wesen.

In der Haupthalle wird der einflussreiche deutsche Polyartist Stephan Dillemuth ab April mit der Schau „Schall und Rauch“ eine vielschichtige Revue in Bildern geben. Im kritischen und humorvollen Umgang mit Selbstorganisation und persönlicher wie kollektiver Integrität geht Dillemuth virulenten gesellschaftlichen Fragestellungen im Rahmen unserer Kontrollgesellschaft nach.

Zu „aktuelle kunst in graz" konfrontiert uns der steirische Künstler Heribert Friedl mit einem ungewöhnlichen Projekt im Außenraum: Von Odorologie und Ornitologie inspiriert, den Lehren der Gerüche und Vogelkunde, arbeitet Friedl an einer künstlerischen Produktion ohne sichtbare Materialisierung. Die Bilder, die seine Installationen wachrufen, entstehen allein aus unserer Vorstellung heraus – sie sind zu hören und zu riechen.

NOW Esterházy Contemporary und das Collegium Hungaricum werden die große Sommerausstellung „Abstract Hungary“ mit rund 30 beteiligten Künstlerinnen und Künstlern unterstützen. Mit Arbeiten aus mehreren Generationen wird das für die ungarische Kunstszene prägende Element der Abstraktion in allen Schattierungen dargestellt, um der bedenklichen politischen Situation mit einem kräftigen Zeichen der nachbarschaftlichen Verbundenheit und des inhaltlichen Austauschs zu begegnen. Die inhaltliche Klammer der Abstraktion macht eine gerade in Ungarn – abseits aller gesellschaftlicher Umbrüche und Entwicklungen – seit Jahrzehnten wiederkehrende Thematik auf, die bis heute von jüngeren bis älteren Künstlerinnen und Künstlern wesentlich für ein international ausgerichtetes Kunstverständnis und eine selbstbewusste persönliche Haltung bleibt.

Im steirischen herbst und in Kooperation mit dem Kunsthaus Graz und der Neuen Galerie am Universalmuseum Joanneum geht „trigon 67/17“ einer legendären historischen Ausstellung am damaligen Originalschauplatz im Künstlerhaus und den umliegenden Wiesen nach. Um Fragestellungen des Raumes und seiner Wahrnehmung werden einige historische Kunstwerke aus 1967 wieder aufgegriffen und mit aktuellen Positionen in Beziehung gesetzt. Die Architektur und Wegeführung der Ausstellung wird in Beratung mit Eilfried Huth in aktualisierter Form aufgeführt. Das länderübergreifende Projekt, das wie einst 16 Künstler – und nun auch Künstlerinnen – aus dem vormaligen Jugoslawien, Italien und Österreich versammelt, soll unter der Flagge einer kritischen, ihrer Zeit angemessenen Kunst und eines europäischen Verständnisses zur weiteren Intensivierung des Austauschs unter den Nachbarländern beitragen.

Mit Ute Müller wird im Dezember eine spannende jüngere Malerin in einer größeren Präsentation gezeigt, die ihre Wurzeln in Graz hat und nun schon länger in Wien an ihrem großen Talent arbeitet. Die Künstlerin hat ihr konsequent aufgebautes malerisches Werk – nicht nur in ihrer Formensprache – in letzter Zeit zunehmend hin zur Skulptur erweitert, was eine intensive Situation im Umgang mit dem Ausstellungsraum und seiner Inszenierung erwarten lässt.

In einer schier endlosen Anzahl an Zeichnungen gibt der Grazer Ingo Abeska Einblick in seine Sicht der Dinge, die nicht nur seine Lesart hin zur Welt der Nachrichten und ihrer „Wirklichkeiten“ aufmacht, sondern hinter das Geschehene blicken lässt. Bis hin zu Selbstportraits des Künstlers werden neben gemeinhin bekannten auch zahlreiche unbekannte Personen dargestellt, die für die Un/Ordnung des sozialen Zusammenlebens und die Vielfalt im Einzelnen stehen.

Mit der temporären Einrichtung eines „Studienraum Jörg Schlick“ werden die dreijährigen Anstrengungen des Künstlerhaus um die Erstellung eines Werkverzeichnisses samt erster monografischen Publikation dieses viel zu früh verstorbenen großen Sohnes der Stadt Graz sichtbar gemacht. Der Schwerpunkt liegt auf der Präsentation des umfassenden Katalogprojektes sowie auf persönlichen Unterlagen, Druckwerken, Dokumentation und Publikationen. Zur weiterführenden Recherche wird ein begleitendes Werkverzeichnis und eine Datenbank mit über 3.000 Datensätzen für das interessierte Fachpublikum zugänglich gemacht.

Den Abschluss des Jahres bildet der Ausstellungsreigen der Künstlervereinigungen, die nach einem vom Künstlerhaus vorgeschlagenen Thema möglichst neue Arbeiten produzieren, um diese in einem gemeinsam erarbeiteten Rahmen einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen.

Budget 2016 / 2017

Im Vorjahr betrug der Gesamtumsatz 599.821 Euro (netto, vorausgesetzt des Jahresabschlusses). Davon betrugen Förderungen der öffentlichen Hand von Seiten des Kulturressorts des Landes Steiermark 358.000 Euro, des Kulturamtes der Stadt Graz 94.000 Euro und der Kunstsektion des BKA Wien 90.000 Euro. Das Gebäude und dessen Instandsetzung wird vom Land Steiermark zur Verfügung gestellt. 9,64 Prozent vom Gesamtumsatz wurden aus Drittmitteln finanziert. Hinzu kommen nicht budgetwirksame Drittmittel in Form von Produktionen von Kunstwerken zur Uraufführung in Graz, für die Ausstellungen Darja Bajagić und Klaus Scherübel von gesamt 46.000 Euro.

2017 wird mit einem Gesamtumsatz von rund 610.000 Euro (netto) budgetiert. Die Umsatzsteigerung ergibt sich aus der um 10.000 Euro erhöhten Förderung des Bundes. Die Summe der 2016 erwirtschafteten Drittmittel werden auch im Jahr 2017 angestrebt, u.a. durch die Unterstützung von Adam Minckiewicz Institut, österreichische Kulturinstitut Warschau, NOW Esterházy Contemporary und Collegium Hungaricum. Nicht budgetwirksame Mittel sind hier nicht eingerechnet.

Für 2017 und 2018 erhöht der Bund seine Förderung für das Künstlerhaus um 11% auf 100.000 Euro pro Jahr. Damit ist der Bund nach dem Land Steiermark der zweitgrößte Förderer für das Künstlerhaus.

Weiterführende Informationen finden Sie auf der Website und in der Broschüre des Jahresprogramms 2017 unter dem Presse-Download www.km-k.at/presse. Gerne stehen die Mitarbeiter der Institution für ihre allfälligen Fragen oder Anregungen zur Verfügung.

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